Taschengeld, wie viel und ab wann: Diese Frage stellen sich Eltern früher oder später, und sie ist alles andere als trivial. Denn hinter dem kleinen Schein oder den paar Münzen steckt eine der wichtigsten Lektionen, die Kinder im Alltag lernen können. Wer mit eigenem Geld wirtschaftet, lernt abzuwägen, zu sparen, zu entscheiden und auch mal zu bereuen. Das sind Fähigkeiten, die kein Schulbuch vermittelt, aber das Leben täglich abfragt.
Gleichzeitig ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und der richtigen Höhe nicht so einfach zu beantworten, wie viele Ratgeber es darstellen. Kinder entwickeln sich unterschiedlich, Familiensituationen sind verschieden, und was für eines funktioniert, muss für das andere nicht stimmen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über gängige Empfehlungen, erklärt, worauf es beim Einstieg ankommt, und hilft dabei, eine Regelung zu finden, die zur eigenen Familie passt.
Ab wann ist ein Kind bereit für eigenes Geld?
Die meisten Fachleute aus dem Bereich Kinderentwicklung sind sich einig, dass Kinder ab etwa fünf bis sechs Jahren beginnen zu verstehen, dass Geld einen Wert hat und gegen Dinge eingetauscht werden kann. Mit dem Schulstart verstehen die meisten Kinder das Grundprinzip gut genug, um erste eigene Erfahrungen zu machen. Wichtiger als das genaue Alter ist die Fähigkeit, zu verstehen, dass Geld, das ausgegeben wurde, weg ist.
Wie viel Taschengeld ist angemessen?
Das Deutsche Jugendinstitut und verschiedene Verbraucherzentralen veröffentlichen regelmäßig Empfehlungen zur Höhe nach Alter. Diese Werte sind keine Pflicht, aber eine gute Orientierung für Familien, die unsicher sind.
| Alter | Empfohlener Betrag pro Woche | Empfohlener Betrag pro Monat |
|---|---|---|
| 5 bis 6 Jahre | 0,50 bis 1,00 € | ca. 2 bis 4 € |
| 7 bis 8 Jahre | 1,00 bis 1,50 € | ca. 4 bis 6 € |
| 9 bis 10 Jahre | 1,50 bis 2,00 € | ca. 6 bis 8 € |
| 11 bis 12 Jahre | 2,00 bis 2,50 € | ca. 8 bis 12 € |
| 13 bis 14 Jahre | – | ca. 20 bis 30 € |
| 15 bis 17 Jahre | – | ca. 30 bis 50 € |
| 18 Jahre (Schüler) | – | ca. 50 bis 80 € |
Detailliertere Infos für einzelne Altersgruppen: Taschengeld mit 6 Jahren · Taschengeld für 7-Jährige · Taschengeld mit 10 Jahren · Taschengeld mit 11 Jahren · Taschengeld mit 12 Jahren · Taschengeld mit 13 Jahren · Taschengeld mit 14 Jahren · Taschengeld mit 15 Jahren · Taschengeld mit 16 Jahren · Taschengeld für 17-Jährige · Taschengeld für 18-jährige Schüler
Wöchentlich oder monatlich auszahlen?
Für jüngere Kinder empfiehlt sich eine wöchentliche Auszahlung. Eine Woche ist für ein Sechsjähriges eine überschaubare Zeitspanne, ein Monat dagegen fast unvorstellbar lang. Ab etwa zehn Jahren kann auf monatliche Auszahlung umgestellt werden. Das bereitet auf das spätere Erwachsenenleben vor, in dem Gehälter und Budgets monatlich gedacht werden.
- Gespräch führenMit dem Kind besprechen, was eigenes Geld bedeutet, wofür es gedacht ist und wie viel es bekommt. Keine Überraschung, sondern eine gemeinsame Vereinbarung.
- Betrag und Rhythmus festlegenEinen festen Betrag und einen festen Tag wählen. Verlässlichkeit ist wichtiger als die genaue Höhe.
- Freiheit lassenDas Kind entscheiden lassen, wofür es das Geld ausgibt. Die eigene Erfahrung ist der beste Lehrmeister.
- Nicht eingreifen wenn das Geld weg istNicht nachschießen. Das Warten auf den nächsten Auszahlungstag ist eine der wertvollsten Lektionen.
- Regelmäßig anpassenZum Geburtstag oder Schuljahresbeginn den Betrag überprüfen. Das zeigt dem Kind, dass seine Verantwortung wächst.
Was eigenes Geld mit Erziehung zu tun hat
Das Geld ist kein Belohnungssystem und sollte nicht an Hausaufgaben oder Verhalten geknüpft werden. Kinder sollen lernen, mit Geld umzugehen, weil es eine Lebensfähigkeit ist, nicht weil sie sich etwas verdient haben. Zusatzaufgaben, für die es extra Geld gibt, können sinnvoll sein, wenn sie wirklich außergewöhnlich sind. Normale Haushaltspflichten gehören zum Familienleben und werden nicht bezahlt.
Die häufigsten Fehler beim Taschengeld, die fast jeder macht
Viele Familien starten gut, geraten aber über die Zeit in Muster, die den Lerneffekt des Taschengelds untergraben. Manche davon sind so alltäglich, dass man sie kaum als Fehler erkennt.
Nachschießen, wenn das Geld weg ist. Das ist der häufigste Fehler und gleichzeitig der folgenreichste. Wer nachschießt, weil das Kind bettelt oder traurig ist, macht das Taschengeld zu einem unverbindlichen Angebot statt zu einer echten Vereinbarung. Kinder lernen sehr schnell, dass das Warten auf den nächsten Auszahlungstag optional ist. Ein einmaliges Nachschießen reicht aus, um dieses Muster zu etablieren.
Den Betrag jahrelang nicht anpassen. Was mit sechs Jahren passt, passt mit zehn nicht mehr. Viele Eltern vergessen, den Betrag zu erhöhen, weil kein konkreter Anlass da ist. Der beste Zeitpunkt ist immer der Geburtstag oder der Schuljahresbeginn, weil beides natürliche Übergänge markiert.
Das Taschengeld an Hausaufgaben oder Verhalten knüpfen. „Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, gibt es kein Taschengeld” klingt wie eine sinnvolle Konsequenz, ist aber ein Kategorienfehler. Haushaltspflichten sind keine Dienstleistung, die bezahlt wird. Wer beides vermischt, schafft ein System, in dem Kinder lernen, das Nötigste zu tun, wenn eine Gegenleistung winkt, und nichts, wenn keine da ist.
Heimlich Geld schenken, wenn das Taschengeld aufgebraucht ist. Manchmal kommt das Geld nicht vom Elternteil, das das Taschengeld verwaltet, sondern vom anderen, von den Großeltern oder von einer Tante. Das ist gut gemeint, aber es hebelt das System aus. Wer möchte, dass die Vereinbarung funktioniert, sollte alle Beteiligten ins Boot holen.
Zu viel kommentieren. Wenn das Kind das Geld für etwas ausgibt, das man selbst fragwürdig findet, ist der erste Impuls oft ein Kommentar. „Das ist doch Geldverschwendung” oder „Das hält doch drei Tage, dann ist es kaputt” sind Sätze, die jedes Gespräch über Geld belasten. Wer will, dass das Kind eigene Erfahrungen macht, muss aushalten, dass diese Erfahrungen manchmal unbequem sind.
Taschengeld und Sparen: Was wirklich funktioniert
Viele Eltern möchten, dass ihr Kind spart, und viele Kinder tun es nicht. Das ist keine Frage des Willens, sondern der Konstruktion. Wer möchte, dass ein Kind spart, braucht drei Dinge: ein konkretes Ziel, eine sichtbare Methode und genug Spielraum im Betrag.
Ein konkretes Ziel bedeutet: nicht „sparen ist gut”, sondern „das neue Lego-Set kostet 35 Euro und du hast 8 Euro, in sieben Wochen kannst du es kaufen”. Das macht den Zeitraum fassbar und die Motivation konkret. Eine sichtbare Methode bedeutet: Geld, das gespart wird, sollte anders aufbewahrt werden als Geld, das ausgegeben werden darf. Zwei Dosen, zwei Gläser, zwei Fächer in der Geldbörse. Die räumliche Trennung macht den Unterschied greifbar. Und genug Spielraum bedeutet: Sparen funktioniert nicht, wenn der Betrag so knapp ist, dass am Ende der Woche nichts übrig bleibt. Wer möchte, dass sein Kind das Sparen übt, muss einen Betrag wählen, bei dem überhaupt Raum für Zurücklegen besteht.
Wer mehr darüber erfahren möchte, was vom eigenen Geld bezahlt werden sollte und was nicht, findet in unserem Beitrag zu Was sollte vom Taschengeld bezahlt werden eine ausführliche Übersicht.
Taschengeld einzuführen ist kein großer Schritt, aber ein bedeutsamer. Es ist der Moment, in dem Kinder zum ersten Mal wirklich eigene Entscheidungen treffen, mit echten Konsequenzen. Wer das begleitet, ohne zu bevormunden, gibt seinem Kind etwas mit, das weit über die paar Euro hinausgeht.
Häufige Fragen
Der Beitrag wurde mit redaktioneller und pädagogischer Kompetenz und mit etwas KI zur Unterstützung erstellt.
